BEYOND the void
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Der 'Spiegel' und die Bilder im Kopf

Marcel, ich habe deine Art zu schreiben immer bewundert. Zuletzt in dem wundervollen Spiegel-Artikel 'Unzweifelhaft eine Katastrophe'. Deine Gedanken konnten meine oft erhellen und ich bin durchaus dankbar dafür. Allerdings lernte ich dich anders kennen. Und kann es nicht vergessen: Ein Symposium in einer süddeutschen Stadt. Ich eine werdende (hat dann doch nicht geklappt - zu rebellisch) Vorzeigestudentin, meine flüchtige Bekannte (für mehr kannten wir uns nicht lange genug) 1a-Promovandin, dem Prof oft genug unter die alternden Arme greifend. Hochintelligent, blitzschnell, von Minderwertigkeitskomplexen gemartert, die sie im Fitnessraum überkompensierte. Der Prof und du, ihr kanntet euch seit Ewigkeiten. So standen wir in der Runde, das Sektglas in der Hand. Und du hattest nichts Besseres zu tun, als die Promovandin in einer Art zu mustern, die jeder Bordsteinschwalbe die Röte in die Wangen getrieben hätte, und dich dann an den Prof zu wenden mit den denkwürdigen Worten: "Etwas Besseres haben Sie nicht kriegen können?" Ohne jeden Anflug von Humor. Bitterernst. Ich erinnere mich gut an das Schweigen allerseits, das so deutlich zu lange dauerte. Seither qualifiziere ich dich als soziales Wrack. Dem Menschlichen inkompatibel. Nichteinmal ihren Namen kanntest du, von ihren Leistungen ganz abgesehen. Wie - frage ich jenes höhere Wesen, das wir verehren, nahezu täglich - kann es angehen, daß jemand mit so vielen Talenten gesegnet wird wie du und dabei so unmenschlich ist? So gemein. So laut. Ich lese dich gern. Sehr. Begegnen möchte ich dir kein zweites Mal. Nein, siezen kann ich dich nicht.

deformationen  2004 · 03:22  # ·  x  | 498 x gelesen pixel