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Es geht mir nicht aus dem Kopf
Schon spät. Hastiger Heimweg durch die kleinen schlechtbeleuchteten Hinterwinkel des Viertels, den Kopf gesenkt um dem lästigen Sprühregen so weit möglich zu entgehen. Sie lehnte an der Motorhaube eines Autos, ein kurzer trotziger Blick nur aus dem Halbdunkel, der sagte Geh' weiter
Ein paar Minuten später lauschend stehen bleiben - weint da jemand? Sie lehnte an einem anderen Wagen, die Arme aufs Wagendach gelegt, den Kopf in den Armen vergraben und weinte, daß es sie nur so schüttelte. Unerträglich dem tatenlos zuzuhören. Ich ging ein paar Schritte zurück, legte ihr vorsichtig die Hand auf die Schulter, ohne ein Wort. Sie fuhr herum, die Hände zur Abwehr erhoben, und ich sah voller Entsetzen den blauen Fleck, der sich dunkel vom Jochbein bis zum Kinn zog, über die ganze linke Seite. Welchen Feind sie erwartet hat, weiß ich nicht. Jedenfalls hing sie im nächsten Moment an meinem Hals, schluchzte mir Tränenbäche auf die Jacke, atmete Wodka ab, stammelte halbverständliches von dem Schwein, dem Schläger und daß sie wenigsten inzwischen die Katzen weggegeben habe um sie vor seiner Brutalität in Sicherheit zu bringen.
Polizei? - Hilfe? Mein Gestammel war fast so wirr wie das ihre. - Hej, was auch immer geschieht, du darfst dich nicht schlagen lassen! Ich zählte hastig die Möglichkeiten auf, ganz genau, was sie tun könne.
Irgendwann schlägt der mich ohnehin tot. Der findet mich überall.... Du bist wirklich 'ne süße Maus.
Sie löste sich von mir, ein resigniertes Schulterzucken noch, dann verschwand sie hinter einer der Haustüren, schleppenden Schrittes. - Hilf- und nutzloser habe ich mich in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt.
Ein paar Minuten später lauschend stehen bleiben - weint da jemand? Sie lehnte an einem anderen Wagen, die Arme aufs Wagendach gelegt, den Kopf in den Armen vergraben und weinte, daß es sie nur so schüttelte. Unerträglich dem tatenlos zuzuhören. Ich ging ein paar Schritte zurück, legte ihr vorsichtig die Hand auf die Schulter, ohne ein Wort. Sie fuhr herum, die Hände zur Abwehr erhoben, und ich sah voller Entsetzen den blauen Fleck, der sich dunkel vom Jochbein bis zum Kinn zog, über die ganze linke Seite. Welchen Feind sie erwartet hat, weiß ich nicht. Jedenfalls hing sie im nächsten Moment an meinem Hals, schluchzte mir Tränenbäche auf die Jacke, atmete Wodka ab, stammelte halbverständliches von dem Schwein, dem Schläger und daß sie wenigsten inzwischen die Katzen weggegeben habe um sie vor seiner Brutalität in Sicherheit zu bringen.
Polizei? - Hilfe? Mein Gestammel war fast so wirr wie das ihre. - Hej, was auch immer geschieht, du darfst dich nicht schlagen lassen! Ich zählte hastig die Möglichkeiten auf, ganz genau, was sie tun könne.
Irgendwann schlägt der mich ohnehin tot. Der findet mich überall.... Du bist wirklich 'ne süße Maus.
Sie löste sich von mir, ein resigniertes Schulterzucken noch, dann verschwand sie hinter einer der Haustüren, schleppenden Schrittes. - Hilf- und nutzloser habe ich mich in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt.
Dienstag, 13. Januar 2004, 08:40
kaltmamsell
Ich glaube fest, dass Ihre Geste etwas bewirkt hat. Die Zuwendung, das Mitleiden werden das künftige Verhalten der Frau stärken. Ein bisschen. Wenn viele solche Bisschen zusammen kommen, schafft sie es vielleicht. Wenn sie dann noch lebt.
Dienstag, 13. Januar 2004, 15:46
jensscholz
Vom direkten und indirekten
Direkt tun kann man wohl nicht mehr als anbieten. Annehmen muss die Hilfe die/der andere. Frauenhaus fiele mir neben Polizei noch ein (wobei, wenn die pfiffig reagiert, der das auch gleich einfällt, die Polizisten von heute sind besser als ihr Ruf).
Nur mal da sein, ohne gleich Aktion einzufordern hilft, um den Kopf frei zu bekommen. Ich denke, dass sie sich überhaupt wieder aufraffen konnte, das war alleine dein Verdienst. Und wer weiss, worüber sie grade nachdenkt...
Indirekt: Stärkt die Frauenhäuser, stärkt die Mädchenarbeit (und vergesst die Jungs nicht). Wehrt euch gegen Leute wie Koch, in deren Weltbild häusliche Gewalt nur von aufmüpfigen Frauen herrührt.
Und schreib weiter solche Geschichten auf, wenn sie passieren...
Nur mal da sein, ohne gleich Aktion einzufordern hilft, um den Kopf frei zu bekommen. Ich denke, dass sie sich überhaupt wieder aufraffen konnte, das war alleine dein Verdienst. Und wer weiss, worüber sie grade nachdenkt...
Indirekt: Stärkt die Frauenhäuser, stärkt die Mädchenarbeit (und vergesst die Jungs nicht). Wehrt euch gegen Leute wie Koch, in deren Weltbild häusliche Gewalt nur von aufmüpfigen Frauen herrührt.
Und schreib weiter solche Geschichten auf, wenn sie passieren...
kristof
Dienstag, 13. Januar 2004, 17:14
Leider wollen viele dieser Opfer sich garnicht wehren. Ich habe mal ein paar Jahre über einem solchen Prügelpärchen gewohnt. Jedes Hilfsangebot war zwecklos, sie hat ihn nur Stunden nach den "Vorfällen" selber wieder in Schutz genommen und sich gegen mich gewendet.
Frauenhäuser können da auch nicht helfen, die Polizei erst recht nicht. Leider ist dieses Verhalten viel zu häufig.
Das Üble daran ist zudem, dass es auch das Mitleid, die Solidarität und die Hilfsbereitschaft von einem selbst korrumpiert.
Frauenhäuser können da auch nicht helfen, die Polizei erst recht nicht. Leider ist dieses Verhalten viel zu häufig.
Das Üble daran ist zudem, dass es auch das Mitleid, die Solidarität und die Hilfsbereitschaft von einem selbst korrumpiert.
kathleen
Dienstag, 13. Januar 2004, 17:40
@kristof
Nur zu wahr. Ich kenne das aus alten Zeiten, als ich noch in einer Ecke wohnte, die man von Seiten der Stadt als sozialen Brennpunkt bezeichnete.
Dennoch werde ich niemals achtlos an jemandem vorübergehen, der gerade Rotz und Wasser heult.
Ich bin in dieser Hinsicht nicht zu korrumpieren. :)
Nur zu wahr. Ich kenne das aus alten Zeiten, als ich noch in einer Ecke wohnte, die man von Seiten der Stadt als sozialen Brennpunkt bezeichnete.
Dennoch werde ich niemals achtlos an jemandem vorübergehen, der gerade Rotz und Wasser heult.
Ich bin in dieser Hinsicht nicht zu korrumpieren. :)
jensscholz
Dienstag, 13. Januar 2004, 18:13
kristof
Ich glaube, wir können uns das nicht vorstellen, wie es da innen aussieht und warum es so schwer ist und es so lange dauert (oder gar nicht passiert), bis jemand die Kraft hat, sich zu befreien.
Frauenhäuser bieten Hilfe. Wie gesagt, annehmen muss man selbst, und dieser Schritt ist der schwerste. Nur: Wenn immer mehr Frauenhäuser geschlossen werden wie jetzt in Hessen, dann gibt es nichtmal für die Hilfe, die sich den Schritt endlich trauen würden.
Frauenhäuser bieten Hilfe. Wie gesagt, annehmen muss man selbst, und dieser Schritt ist der schwerste. Nur: Wenn immer mehr Frauenhäuser geschlossen werden wie jetzt in Hessen, dann gibt es nichtmal für die Hilfe, die sich den Schritt endlich trauen würden.
kristof
Dienstag, 13. Januar 2004, 22:37
@jens
Du hast Recht.
Ich wollte auch mehr die Hilflosigkeit kommentieren, mit der man manchmal vor solchen Situationen steht. Und wie sehr es an der eigenen Menschlichkeit saugt, wenn man nicht helfen kann ...
Du hast Recht.
Ich wollte auch mehr die Hilflosigkeit kommentieren, mit der man manchmal vor solchen Situationen steht. Und wie sehr es an der eigenen Menschlichkeit saugt, wenn man nicht helfen kann ...
parka lewis
Donnerstag, 15. Januar 2004, 12:16
Margrit Brückner: Die Liebe der Frauen. Über Weiblichkeit und Misshandlung. Habe ich als gutes Buch in Erinnerung zu der Frage, warum etwa die in Frauenhäusern wieder mit dem aufrechten Gang vertrauten Frauen sich dann erneut in ihr Unglück begeben, wenn der Macker unten auf der Straße steht und pfeift.
Dass Sie die Geschichte erzählt haben, Kathleen, scheint mir ziemlich wichtig. Ich bin an mancher ähnlichen (wenn auch vielleicht weniger dramatischen) Situation durchaus vorbeigegangen. Auch hätte ich als Mann wohl nicht genau so handeln können wie Sie. Aber dass Sie »in dieser Hinsicht nicht zu korrumpieren« sind, das wird mir wieder in den Sinn kommen, wenn etwas Ähnliches passiert, und ich hoffe, dass ich mich dann auch nicht korrumpieren lasse.
Dass Sie die Geschichte erzählt haben, Kathleen, scheint mir ziemlich wichtig. Ich bin an mancher ähnlichen (wenn auch vielleicht weniger dramatischen) Situation durchaus vorbeigegangen. Auch hätte ich als Mann wohl nicht genau so handeln können wie Sie. Aber dass Sie »in dieser Hinsicht nicht zu korrumpieren« sind, das wird mir wieder in den Sinn kommen, wenn etwas Ähnliches passiert, und ich hoffe, dass ich mich dann auch nicht korrumpieren lasse.
Irene
Freitag, 16. Januar 2004, 23:05
Das hat jetzt noch gefehlt: Ein klugscheisserischer Hinweis von einem Mann, dass die Weiber ja eh wieder rennen werden, wenn der Macker pfeift. Wozu soll das gut sein? (Wie wärs mit einem Literaturtipp über männliche Rationalisierungsstrategien bei Konfrontation mit dem Thema Männergewalt?)
@ Kathleen: Ich habe schon mal die überraschende Erfahrung gemacht, dass eine aus meiner Sicht nur kleine Einmischung bei der Frau etwas bewirkte, auch wenn es eine andere Situation war (Mann schrie seine Frau in der Wohnung nieder...) und der Fall nicht so dramatisch schien wie die Begebenheit hier. Der Hinweis hilft jetzt zwar auch nicht wirklich, aber Fatalismus schon gar nicht.
@ Kathleen: Ich habe schon mal die überraschende Erfahrung gemacht, dass eine aus meiner Sicht nur kleine Einmischung bei der Frau etwas bewirkte, auch wenn es eine andere Situation war (Mann schrie seine Frau in der Wohnung nieder...) und der Fall nicht so dramatisch schien wie die Begebenheit hier. Der Hinweis hilft jetzt zwar auch nicht wirklich, aber Fatalismus schon gar nicht.
kathleen
Samstag, 17. Januar 2004, 00:22
Ich habe Parka Lewis anders verstanden: Es ist tatsächlich oft so, daß die Frauen nach einer scheinbaren Ablösung wieder zum prügelnden Partner zurückgehen. Unfassbar frustrierend für die Helfer - und diese Frustration las ich aus dem Satz, der Sie so ärgert.
Parka, bitte um Aufklärung: Wie war's gemeint?
Fatalismus ist natürlich keine Lösung. Dennoch denke ich, die kleine Einmischung, die von außen möglich ist, löst nur selten tiefgreifende Veränderungen aus. Der Primärimpuls muß von innen kommen.
Parka, bitte um Aufklärung: Wie war's gemeint?
Fatalismus ist natürlich keine Lösung. Dennoch denke ich, die kleine Einmischung, die von außen möglich ist, löst nur selten tiefgreifende Veränderungen aus. Der Primärimpuls muß von innen kommen.
Irene
Samstag, 17. Januar 2004, 00:35
Aber der "Primärimpuls" kann vielleicht Unterstützung brauchen, damit er ausreicht. Wer ist schon völlig autonom? (Vielleicht ist es auch manchmal so ähnlich wie die Rolle der "wissenden Zeugen" bei Alice Miller, auch wenn es da um Kinder geht. Siehe auch Kaltmamsell.)
Es gibt auch viele Frauen, die es mit Unterstützung schaffen. Und deshalb ist Unterstützung immer wichtig.
Helferinnenfrust: Für Profis gibt es Supervision etc., die brauchen kein Expertentum von männlichen Bloggern. (Frust gibt es, ich weiß. Ich habe früher mit einer Theologiestudentin in der WG gewohnt, die in der Nachtwache im Frauenhaus eines Sozialdienstes gearbeitet hat, und mich nach dem Dienst gelegentlich als Frustventil benutzt hat. Aber auch mit einer fröhlichen Erzieherin aus einem anderen Frauenhaus: Pauschale Aussagen gehen da nicht gut.)
Es gibt auch viele Frauen, die es mit Unterstützung schaffen. Und deshalb ist Unterstützung immer wichtig.
Helferinnenfrust: Für Profis gibt es Supervision etc., die brauchen kein Expertentum von männlichen Bloggern. (Frust gibt es, ich weiß. Ich habe früher mit einer Theologiestudentin in der WG gewohnt, die in der Nachtwache im Frauenhaus eines Sozialdienstes gearbeitet hat, und mich nach dem Dienst gelegentlich als Frustventil benutzt hat. Aber auch mit einer fröhlichen Erzieherin aus einem anderen Frauenhaus: Pauschale Aussagen gehen da nicht gut.)
kinomu
Samstag, 17. Januar 2004, 00:53
Unterstützung ist wichtig, keine Frage, da wird sicher auch parka lewis zustimmen.
Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass Hilfe nicht immer zum angestrebten Ergebnis führt. Und dass daran nicht "zu wenig Hilfe" oder "zu schlechte Hilfe" schuld sein muss...
Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass Hilfe nicht immer zum angestrebten Ergebnis führt. Und dass daran nicht "zu wenig Hilfe" oder "zu schlechte Hilfe" schuld sein muss...
Irene
Samstag, 17. Januar 2004, 01:03
Sarkasmus on
Diskutieren Männer unter sich eigentlich auch so engagiert über das Thema Männergewalt (inclusive Zwangsprostitution) wie hier mit uns Frauen? Wenn nein, warum nicht?
kinomu
Samstag, 17. Januar 2004, 05:31
ad "Helferinnenfrust: Für Profis gibt es Supervision etc., die brauchen kein Expertentum von männlichen Bloggern."(Irene):
Hat hier jemand versucht, Profis zu belehren? Und würden Profis "Expertentum von weiblichen Bloggern" brauchen?
ad "Diskutieren Männer unter sich eigentlich auch so engagiert über das Thema Männergewalt (inclusive Zwangsprostitution) wie hier mit uns Frauen? Wenn nein, warum nicht?" (Irene):
Ihre Frage empfinde ich als irreführend, denn hier standen nicht gewalttätige Männer und Zwangsprostitution im Zentrum der Diskussion, sondern die Opfer, die Möglichkeit, ihnen zu helfen, das Problem, dass oft "tiefgreifende Veränderungen" nötig wären, und die Gefühle der Helfer, wenn die Einmischung zu keinem sichtbaren Ergebnis führt. Und darüber habe ich neulich wieder mit einem Freund gesprochen, ja.
Hat hier jemand versucht, Profis zu belehren? Und würden Profis "Expertentum von weiblichen Bloggern" brauchen?
ad "Diskutieren Männer unter sich eigentlich auch so engagiert über das Thema Männergewalt (inclusive Zwangsprostitution) wie hier mit uns Frauen? Wenn nein, warum nicht?" (Irene):
Ihre Frage empfinde ich als irreführend, denn hier standen nicht gewalttätige Männer und Zwangsprostitution im Zentrum der Diskussion, sondern die Opfer, die Möglichkeit, ihnen zu helfen, das Problem, dass oft "tiefgreifende Veränderungen" nötig wären, und die Gefühle der Helfer, wenn die Einmischung zu keinem sichtbaren Ergebnis führt. Und darüber habe ich neulich wieder mit einem Freund gesprochen, ja.
Irene
Samstag, 17. Januar 2004, 14:53
Da stand "Sarkasmus on"
Was anderes ist mir zu Ihren wichtigtuerischen Gemeinplätzen ("Unterstützung ist wichtig, keine Frage, da wird sicher auch parka lewis zustimmen. Es ist aber auch wichtig zu wissen, dass Hilfe nicht immer zum angestrebten Ergebnis führt.") einfach nicht mehr eingefallen.
kinomu
Samstag, 17. Januar 2004, 16:03
Dass Ihnen jetzt nichts einfällt, habe ich befürchtet.
parka lewis
Sonntag, 18. Januar 2004, 13:26
Sorry
Dass »der Macker unten steht und pfeift«, das war wirklich zu salopp ausgedrückt, eine Koketterie mit der eigenen Lässigkeit, und wahrscheinlich tatsächlich ein Stück Rationalisierungsstrategie. Unpassende Kombi wohl auch mit dem dann vielleicht etwas pathetischen Rest (»aufrechter Gang«, »Unglück«). Und überhaupt schien es mir schon kurz nach dem Kommentieren fragwürdig, einfach mal so einen Literaturhinweis einzuwerfen; ein bisschen fühlte ich mich wie jene frauenversteherischen Männer in Gender-Studies-Seminaren; »wir haben Literatur dazu und damit alles im Griff«. So viel dazu, wie es mancherorts angekommen ist und was man sich vorher besser hätte überlegen sollen.
Nun dazu, wie es gemeint war: Dass die Frauen rennen werden, als sei es ein Naturgesetz, das habe ich nicht gesagt. Leider aber tun sie es wohl oft, wie ich gehört habe, und dazu kann und soll man sich Gedanken machen. Margrit Brückner hat das in ihrem Buch getan, in meiner Erinnerung sehr überzeugend. Leider ist die Lektüre schon so lange her, dass ich das nicht mehr hinreichend wiedergeben kann. Als eine zentrale These habe ich behalten: Es ergibt keinen Sinn, auf Männergewalt zu starren wie auf ein Biest, mit jener billigen Empörung, der sich noch jeder strukturell gewalttätige Mann anschließen kann, weil sie ihn entlastet. Was wir mit dem Begriff Männergewalt ja auch so bequem externalisieren, ist »nur« eine extreme Form der Geschlechterverhältnisse die auch dort Gewaltverhältnisse sind, wo man sie nicht polizeilich bändigen kann. Sie sind auch überall dort so präsent wie unerträglich, wo die Teilung in Heilige und Hure funktioniert, wo kulturelle Bilder Frauen nur als aufopferungsvolle Heldinnen oder allesverschlingende Schlampen zulassen, und nicht nur die Popkultur ist voll von diesen Mustern.
In diesem Zusammenhang ist mir aus dem Buch eben dieses Bild vor Augen: Der Typ fährt mit dem Auto vor dem Frauenhaus vor, klimpert mit dem Autoschlüssel und pfeift. Und die Helferinnen müssen ohnmächtig mit ansehen, wie die Frau die Treppe runtergeht, als hätte es die Schläge nie gegeben. Dass das so funktioniert, spricht natürlich nicht im Geringsten gegen Frauenhäuser, aber dafür, dass es gesellschaftlich sehr wirkmächtige Bilder und Vorstellungen gibt, die auch das Verhalten von Frauen formieren.
Nun dazu, wie es gemeint war: Dass die Frauen rennen werden, als sei es ein Naturgesetz, das habe ich nicht gesagt. Leider aber tun sie es wohl oft, wie ich gehört habe, und dazu kann und soll man sich Gedanken machen. Margrit Brückner hat das in ihrem Buch getan, in meiner Erinnerung sehr überzeugend. Leider ist die Lektüre schon so lange her, dass ich das nicht mehr hinreichend wiedergeben kann. Als eine zentrale These habe ich behalten: Es ergibt keinen Sinn, auf Männergewalt zu starren wie auf ein Biest, mit jener billigen Empörung, der sich noch jeder strukturell gewalttätige Mann anschließen kann, weil sie ihn entlastet. Was wir mit dem Begriff Männergewalt ja auch so bequem externalisieren, ist »nur« eine extreme Form der Geschlechterverhältnisse die auch dort Gewaltverhältnisse sind, wo man sie nicht polizeilich bändigen kann. Sie sind auch überall dort so präsent wie unerträglich, wo die Teilung in Heilige und Hure funktioniert, wo kulturelle Bilder Frauen nur als aufopferungsvolle Heldinnen oder allesverschlingende Schlampen zulassen, und nicht nur die Popkultur ist voll von diesen Mustern.
In diesem Zusammenhang ist mir aus dem Buch eben dieses Bild vor Augen: Der Typ fährt mit dem Auto vor dem Frauenhaus vor, klimpert mit dem Autoschlüssel und pfeift. Und die Helferinnen müssen ohnmächtig mit ansehen, wie die Frau die Treppe runtergeht, als hätte es die Schläge nie gegeben. Dass das so funktioniert, spricht natürlich nicht im Geringsten gegen Frauenhäuser, aber dafür, dass es gesellschaftlich sehr wirkmächtige Bilder und Vorstellungen gibt, die auch das Verhalten von Frauen formieren.
Irene
Sonntag, 18. Januar 2004, 16:49
Danke für die Antwort.
Ich war mir nicht sicher, ob Sie strukturelle Gewalt gegen Frauen überhaupt ernst nehmen, nicht nur wegen der saloppen Ausdrucksweise hier, sondern auch weil Sie in ihrem Weblog dem System der strukturellen Gewalt eine machohaft gehaltene Kampfansage (Fickdrohkulisse *)) verpasst haben, wie ich zwischendurch gesehen habe. Da habe ich wohl automatisch angenommen, dass Sie mit dem "System" in erster Linie wirtschaftliche Ausbeutung meinen.
*) Der Schwanz als Kampfwaffe im Dienst der sozialen Revolution, das ist kein gutes Bild. (Ficken oder gefickt werden - das klingt meistens wie fressen oder gefressen werden....)
*) Der Schwanz als Kampfwaffe im Dienst der sozialen Revolution, das ist kein gutes Bild. (Ficken oder gefickt werden - das klingt meistens wie fressen oder gefressen werden....)
kathleen
Sonntag, 18. Januar 2004, 21:03
Irene et al
- Ich erzählte eine Geschichte über hilflose Helfer, über die kleinen Dinge, über das sich-nicht-wegdrehen, über Würde und kleine Schritte. Es ist nicht in meinem Sinne, daß sich dies nunmehr zu einer ermüdenden Gender-Studies-Debatte entwickelt. Die hat sicherlich auch eine Berechtigung, aber nicht zu dieser Geschichte, deren Kern anderswo liegt.
- Ich erzählte eine Geschichte über hilflose Helfer, über die kleinen Dinge, über das sich-nicht-wegdrehen, über Würde und kleine Schritte. Es ist nicht in meinem Sinne, daß sich dies nunmehr zu einer ermüdenden Gender-Studies-Debatte entwickelt. Die hat sicherlich auch eine Berechtigung, aber nicht zu dieser Geschichte, deren Kern anderswo liegt.
slowburn
Sonntag, 18. Januar 2004, 21:57
@irene:
ganz ohne sarkasmus: das thema maennergewalt diskutiere ich bevorzugt und engagiert mit maennern und frauen. allerdings nicht mit frauen die von ihrer praedisposition dazu neigen, diskussionen unnoetig einseitig zu fuehren, die sich schon provoziert fuehlen, wenn nur bestimmte worte fallen und deren reflexe auf geschlechterkampf konditioniert sind.
ganz ohne sarkasmus: das thema maennergewalt diskutiere ich bevorzugt und engagiert mit maennern und frauen. allerdings nicht mit frauen die von ihrer praedisposition dazu neigen, diskussionen unnoetig einseitig zu fuehren, die sich schon provoziert fuehlen, wenn nur bestimmte worte fallen und deren reflexe auf geschlechterkampf konditioniert sind.
Irene
Sonntag, 18. Januar 2004, 22:24
@ Kathleen
Tut mir leid. Neulich hatte ich mich noch sehr über den Schlaumeierthread hier gewundert. Und jetzt stehe ich selbst mitten in der Rechthabersoße... (Ich hätte mir den Sarkasmus sparen sollen, der provoziert eh nur weitere Übertreibungen.)
kathleen
Montag, 19. Januar 2004, 01:45
@ Irene
Schlaumeierthread? Rechthabersoße? Und bums - schon wieder mitten drin in der Provokation, allein über die Wortwahl. Die Diplomatie haben Sie heute nicht erfunden... ;)
Bitte jetzt nicht übelnehmen. Ich sitze hier mit sehr breitem Grinsen und mir ist Ihre impulsive Art vertraut; ich mag sie. Wundere mich nur überhaupt nicht darüber, daß so mancher schnell bei Ihnen auf der Palme ist, auf die Ihr Zorn Sie treibt.
Schlaumeierthread? Rechthabersoße? Und bums - schon wieder mitten drin in der Provokation, allein über die Wortwahl. Die Diplomatie haben Sie heute nicht erfunden... ;)
Bitte jetzt nicht übelnehmen. Ich sitze hier mit sehr breitem Grinsen und mir ist Ihre impulsive Art vertraut; ich mag sie. Wundere mich nur überhaupt nicht darüber, daß so mancher schnell bei Ihnen auf der Palme ist, auf die Ihr Zorn Sie treibt.
herr k.
Montag, 19. Januar 2004, 13:43
herr k. vor Ort, am Palmstamm lehnend
und die fallende Kokosnuss noch nicht erblickend ...
In der Welt der Tatsachen kann man irren. In der Welt der Meinungen/Bewertungen kann man nur eine andere Meinung haben.
Meine Meinung ist natürlich die beste! Deshalb verrate ich sie auch nicht, weil dann gleich wieder jemand kommt und genau dies bestreitet. ;-)
Den Nachteil, dass keiner meiner Meinung folgen kann, nehme ich in Kauf.
In der Welt der Tatsachen kann man irren. In der Welt der Meinungen/Bewertungen kann man nur eine andere Meinung haben.
Meine Meinung ist natürlich die beste! Deshalb verrate ich sie auch nicht, weil dann gleich wieder jemand kommt und genau dies bestreitet. ;-)
Den Nachteil, dass keiner meiner Meinung folgen kann, nehme ich in Kauf.
kinomu
Montag, 19. Januar 2004, 13:54
kinomu ebenfalls vor Ort,
die fallende Kokosnuss erblickt habend und den letzten Meter von der Palme gesprungen:
"Möchten Sie ein Stück von der Kokosnuss? Kathleen, Du vielleicht? Irene, slowburn, parka lewis, kristof, jensscholz, kaltmamsell, jeamuc?"
"Möchten Sie ein Stück von der Kokosnuss? Kathleen, Du vielleicht? Irene, slowburn, parka lewis, kristof, jensscholz, kaltmamsell, jeamuc?"
Dienstag, 13. Januar 2004, 17:42
jeamuc
Gänsehaut
und Sprachlosigkeit.
Sehr nachdenklich gemacht.
Sehr nachdenklich gemacht.
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